in der Türkei nach Osten

in der südlichen Türkei immer weiter nach Osten

 

2.5.13  auf nach Asien

Start bei Km 34110

Die bekannten Ziele an der Ägäis standen nicht auf meiner Liste. Man kann sich vor Touristen kaum retten, es ist mit Sicherheit nur die Vorzeigevariante des Landes und einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten konnten wir vor zwei Jahren schon besichtigen. Als wir uns damals aus einer Bus-Tour ausgeklinkt und Ayvalik auf eigene Faust erkundet hatten, kam die Idee zu dieser Reise, auf der ich mich heute befinde. Wir waren so fasziniert, von dem was wir da sahen, dass der Entschluss reifte, noch mehr von dem ursprünglichem Land sehen zu wollen. Daß ich diese Reise aber allein mache, hat einen ganz anderen Grund. Für meine Frau Viola beginnt während meiner Tour ein viel  größeres Erlebnis, finde zumindest ich, sie pilgert nach Santiago de Compostela, und zwar von zu Hause aus und das allein. Aus der Mitte Deutschlands über Frankreich bis nach Nordwest-Spanien zu Fuß – meinen allerhöchsten Respekt vor ihr, ihrem Mut und ihrem Willen, dies zu schaffen. Dagegen komme ich mir richtig faul vor, drehe ich doch nur am Gasgriff, um zum nächsten Ort zu kommen.

Für mich galt es zunächst, mir Türkische Lira zu beschaffen. Wechselstuben hatte ich keine gesehen, in den Länder zuvor fanden sich diese recht schnell. Teste ich also mal mein elektronisches Helferlein von Garmin, und siehe da, es gibt Geldautomaten im Ort rechts der Straße. Beim ersten Ziel fand ich mich in einer Seitenstraße wieder, der zweite existierte, war aber außer Betrieb. Was soll’s, ab zum nächsten Ort. Da fand ich mich im tiefsten türkischen Stadtgetümmel wieder, Bankomat – Fehlanzeige. Plötzlich strahlte mich eine Bankfiliale förmlich an, aber der Automat im Schalterraum mochte meine Karten nicht. Schließlich führte man mich an den Automaten vor der Tür (hatte ich natürlich übersehen) und siehe da es gab Türkische Lira für mich. Spätestens in den ländlichen Gebieten ist in der Türkei mit Sicherheit die Eurozone zu Ende.

Bei Gelibolu trug mich eine Fähre weg von Europa nach Asien.

auf der Fähre nach Asien

Ich hatte somit den für mich nächsten großen Schritt gemacht, ich war in Asien angelangt. nun galt es Entfernungen zu überwinden, aber nicht mehr auf Autobahnen, sondern wieder auf kürzeren Wegen quer durchs Land. Die Landkarte empfahl auch landschaftlich schöne Strecken, also fuhr ich über Balikesir in Richtung Sinav. Bei einem Hondahändler am Weg erstand ich noch zwei Liter Motorenöl für Pegasus, zwei Liter Öl auf 4000Km kenne ich schon. Es waren Motorradstrecken ohne Ende, kurvig, hügelig, die Straße hatte ich häufig für mich allein, so macht das Reisen Freude. In der bergigen Gegend, in durch die ich fuhr, war es auch kein sonderliches Problem, einen geeigneten Platz für mein Zelt zu finden. Die Hotels zuvor entsprachen schon äußerlich nicht meinen preislichen Vorstellungen. Also errichtete ich meine Leinwandvilla und machte mich nachtklar. Diesmal achtete ich auch auf den richtigen Zeltstandort und machte alles feuchtigkeitssicher. Ein Telefonat nach Hause beendete dann den Tag endgültig.

 

 

3.5.13  weiter Richtung Pamukkale und Hierapolis

Am diesem Morgen staunte ich nicht schlecht, ich schaue aus dem Zelt und sehe die Berge nicht. Nebel hatte sich ausgebreitet und alles war richtig feucht. Das Thermometer sagt 14°C. Nach einer Stunde sieht es nicht anders aus, also fasse ich den Entschluss, mein Zelt diesmal nass einzupacken, damit ich nicht bis Mittag warten muss. Die Strecke verlief weitere durch bergiges Land, die Straßenverhältnisse reichten von Flickenteppich bis neu.

Moschee in einem Dorf an der Strecke

Als ich tieferliegende Gebiete erreichte, wurde es fast plötzlich sehr warm. Das Thermometer kletterte im Tagesverlauf stellenweise bis auf 34 Grad. In einem Ort winkte mich ein Uniformierter an den Rand, allgemeine Verkehrskontrolle. Hilft hier eine Strategie? Mal versuchen: Motor abschalten, Visier hoch, Absteigen und Helm runter, manchmal hatte ich schon den Eindruck, dass mein Alter mir bei solchen Situationen hilft. Als der Ordnungshüter noch die Sprachprobleme bemerkte, ließ er mich ziehen. Der Ruf der Türkischen Polizei ist eigentlich ein ganz anderer. Zu allem Ärger machte wenig später mein Navi schlapp, scheinbar konnte es diese Temperaturen nicht ab, der Bildaufbau wurde nie abgeschlossen und nach dem Gerät fahren wurde unmöglich. Um nicht öfter zum Kartenlesen anhalten zu müssen, nahm ich fortan doch die Hauptstraßen. Als ich dann die weißen Sinterterrassen von Pamukkale sah,konnte es nicht mehr lange bis zu meiner Ankunft dauern – dachte ich. Nach Karte gab es eine kleine Straße ziemlich direkt zu meinem Ziel, die war natürlich (für mich?) nicht zu finden. So leitete mich die offizielle Verkehrsführung im Halbkreis um mein Ziel herum, ich sah die Terrassen aus mehreren Perspektiven, und das bei deutlich über 30 Grad – ich will mein Navi….. Schließlich kam ich, wenn auch fast gargekocht, in Pamukkale an, widerstand einigen Schleppern und fand mein vorausgewähltes Hotel Allgäu. Dieses hatte ich mir aus meinem Türkeireiseführer von Bussmann und Tröger ausgewählt. Seit der Ausgabe 2009 hat sich einiges verändert, der Betreiber spricht kein Deutsch mehr, der Übernachtungspreis sollte 40 statt 17 Euro sein, wir einigten uns auf 30 inklusive Frühstück, ich wollte einfach aus den Motorradklamotten raus. Bei der Bezahlung standen dann aber plötzlich zwei mal 30 Lira statt Euro auf der Rechnung.

meine Gastgeber

Übrigens, auf meine Motorradschutzbekleidung werde ich nie wieder verzichten, egal welche Temperaturen dagegen arbeiten, meine „Crash-Erfahrung“ wird das verhindern. Das Hotel ist im Übrigen nett angelegt, mit Pool, WLAN, Aircondition und die Chefin schwingt das Zepter und den Kochlöffel. Das mit dem Zepter sah ich bei der Preisabsprache, er hat verhandelt und sie abgenickt.

Was mir an dem Abend noch aufgefallen ist, ich habe eine 1,5l-Flasche Wasser ohne Probleme in mich rein geschüttet, mein Trinkverhalten während der Fahrt sollte ich schnell ändern. Ich hatte keinen Durst verspürt.

 

4.5.13   Besichtigungstag in einer Touristenhochburg

Es war ein schöner und heißer Tag, gegen 8:30 Uhr bin ich losgegangen und war ca. 15:30 Uhr zurück. Die Sinterterrassen und die Reste der alten Stadt Hierapolies zu beschreiben, können andere besser als ich. Ich fand beides sehr imposant. Man arbeitet an der Restaurierung des Theaters, hat oberhalb der Terrassen an deren Rand schöne und gepflegte Anlagen gestaltet. Im hinteren Bereich dieser sind auch Becken, in denen Leute gebadet haben. Die Fahrstraße, die mal quer durch die Terrassen verlief und das dazugehörige Hotel oben sind weg. Den Straßenverlauf kann man nur noch erahnen, die Natur (mit Nachhilfe) hat sich die Straße wieder einverleibt. Alles wirkt sehr sauber und gepflegt und die paar Lira Eintrittsgeld habe ich gern dafür bezahlt.

ehemalig Straße in der Sinterterassen

badende Schulklasse

die Reste der alten Stadt Hierapolies

 

 

5.5.13     mein Ziel ist der Olympos-Nationalpark

Start bei Km 34815

Nach so vielen Tagen im Inland mit Kurven, Bergen und anschauen sollte es für mich nun auch Meer, Sonne und Strand geben. Bin ich doch zu Hause fast aus dem Winter heraus gestartet. Mein Weg führte mich über Denizil, einer modernen und gepflegten Stadt, in Richtung Südost. Über einen Pass (1250m) verlief die Straße dann durch ein weites Tal mit intensiver Landwirtschaft. Es ging geradeaus, die Temperaturen kletterten in Richtung 30 Grad. Nach einem zweiten Pass mit 1460m wurde es wieder bergiger. Einen Besichtigungsstopp gab es an den Ruinen von Arykanda. Hoch am Hang gelegen, für Busse nicht erreichbar ist es doch ein lohnendes Ziel.

altes Fußbodenmosaik

Vom Fußbodenmosaik bis zum alten und neuen Theater gibt es einiges zu erkunden. Bei sengender Hitze bin ich in meinen Motorradklamotten bis zum neuen Theater hochgestiegen, ich hatte von der Aussicht gelesen. Man hat einen weiten, wunderbaren Blick von oben über das Tal, der Schweiß hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt.

Blick vom "neuen Theater" ins Tal

Es zogen sich Wolken zusammen und Donner kündete Wasser von oben an. Als die ersten Tropfen fielen, konnte ich starten, wollte ich doch Membranhose und -jacke nicht auspacken und noch drunterziehen – bei der Hitze. In meinem Reiseführer hatte ich von „Rambo“ und Birgit mit ihrem urigen Street-Cafe gelesen, das wollte ich mir näher ansehen, lag es doch in der Nähe von drei meiner Ziele. Weder Karte noch Navi konnten die Wegbeschreibung so richtig nachvollziehen, diesmal half mir meine Nase. Sie waren tatsächlich schon ausgebucht, aber Rambo brachte mich bei seinem Nachbarn in einem ähnlichen Bungalow unter. Dann gab es erstmal Käsekuchen und Cappuccino, später eine Einladung zu einer Bootstour nach Sulu Ada für den nächsten Tag. Mir gefiel es bei ihnen auf Anhieb und so entschloss ich mich, zwei Tage zu bleiben, wollte ich doch auch die Bilder noch in meinen Reisebericht einbauen.

 

6./7.5.13    Boottour nach Sulu Ada und Pausentag

An diesen beiden Tagen war ich mal nur einfach Urlauber. Eine Bootstour mit Badestrand, Fisch essen, sonnen – soweit das für mich als Strandkäse aus dem kalten Norden sinnvoll war – und Süßwasserquelle erkunden. Sulu Ada bedeutet soviel wie Insel mit Wasser.

Baden auf Sulu Ada

mit dem Boot nahe an den Felsen

Während der Fahrt suchten alle nach Delphinen, die hier ab und zu zu sehen sein sollen. Ein Schwarm recht großer Fische und ein Seehund waren dabei die Ausbeute der Jagd. Abends wurden wir dann mit den Kochkünsten von Birgit und Rambo verwöhnt.

Essen im urigen Street-Cafe

Am folgenden Tag war ich damit beschäftigt, mein Tagebuch weiter zu schreiben, Bilder auszuwählen, zu verkleinern, ins Internet zu befördern und einzubinden. Auch mein Handynetzbetreiber türk telekom mobile wollte etwas Zuwendung, erfand er doch wieder eine neue Spielregel: Nach dem ersten Abbuchen vom Konto geht dann für sieben Tage keine neue Abbuchung! Dabei hatte ich mir diese SIM-Karte extra besorgt, um von der Türkei aus mit meinem Schatz zu Hause endlich wieder zu vernünftigen Konditionen sprechen zu können. Es war wieder einmal von Vorteil, den Rechner dabei zu haben, konnte ich damit das Problem doch mit einer Überweisung lösen. Manchen Leuten muss man das Geld förmlich hinterher tragen.

 

8.5.13   nach Egirdir

Start bei Km 35117

Auch ein Strandurlaub geht mal zu Ende. Bei den beiden könnte ich es noch länger aushalten. Auf mich wartet aber noch fast die ganze Türkei. Bei hochsommerlichen Temperaturen stattete ich den Resten der alten Stadt Olympos noch einen Besuch ab. Das letzte Stück der Zufahrt erinnerte mich an Albanien, besonders die Flussdurchfahrt. Die Steine waren klitschig und viel größer als anfangs zu sehen und meine Fuhre kam ganz schön ins Schwanken. Ich kenne jemanden, der eine BMW in einem Fluss versenkte, also bei der Rückfahrt besser aufpassen und eine bessere Linie suchen. Olympos selbst machte einen ungepflegten Eindruck, zugewachsen und nur ein paar Hinweisschilder waren aufgestellt. Am Ende der Stadt war ein schöner Strand und alle Strandbesucher mussten Eintritt für den Weg durch Ruinen zahlen. Auf dem Rückweg musste sogar ich in meinen Motorradklamotten das Ticket nochmal vorzeigen. Richtig gelohnt hat sich der Besuch nicht.

Reste der alten Stadt Olympos

Nun führte der Weg raus aus der Meereshöhe und auf die weit oben verlaufende Straße Richtung Antalya. Breit und kurvig verlief sie nach Norden und das Fahren macht wieder mal Freude. Ein Abstecher war noch vorgesehen, um die von Schweizern errichtete Kabinenschwebebahn auf den 2375m hohen Tahtalidagi für einen neuen persönliche Höhenrekord zu nutzen. Zwei Kabinen für je 60 Leute, die in 10 Minuten etwa 1500m Höhenunterschied überwanden waren recht beeindruckend. Für 30 Euro, diesmal keine Lira, bekam man Höhensonne, einen leicht diesigen Weitblick und den Start von Gleitschirmen geboten.

auf dem 2375m hohen Tahtalidagi

auf de Tahtalidagi

Blick zum Meer

Einen Cappuccino lang genoss ich dann noch den Blick auf die umliegenden, teils weißen Gebirgsketten, dann ging es wieder abwärts. Bei dem Blick in die Tiefe sollte man schon etwas höhenfest sein.

Den Abzweig zu der Seilbahn musste ich schon ohne Navi finden, war es wieder mal im Hitzestreik. Um mir bei der Durchfahrt durch Antalya zu helfen, ließ es sich aber wieder zu einem Einsatz überreden. Bei der dann folgenden Diskussion über den Weg nach Egirdir machte die Kiste mir klar, dass ich mich wieder ans Fahren nach Karte gewöhnen sollte. Nicht mal die Hälfte meiner Reise wollte mir das Gerät den Weg zeigen. Ich war echt gefrustet, hatte ich mich in den letzten Jahren richtig an dieser Hilfe gewöhnt und nun sollte ich wieder auf die klassische Art den Weg finden. Den Weg zu meinem heutigen Zielort fand ich wohl, aber Freude kam beim Fahren nicht so richtig auf.

Blick auf Egirdir

In Egirdir angekommen, sah ich eine ganze Häuserzeile bestückt mit Geldautomaten diverser Banken, also wurden die Geldvorräte aufgebessert. In der Türkei gilt ganz eindeutig, nur Bares ist Wahres. Dann lief das meist noch ohne Quittung ab, ob Tankstellen oder Hotels, von kleinen Geschäften will ich garnicht reden.

Mein Reiseführer empfahl mehrere Hotels, eines davon direkt in der Stadt, den Fußweg von der vorgelagerten Halbinsel wollte ich vermeiden. Also fuhr ich die Hauptstraße im Zentrum zweimal hoch und runter, sah Moschee und Busbahnhof, auch ein anderes Hotel, nur meines nicht. Einen Türken etwas fragen funktioniert genauso wie bei den Berlinern, im Nu stehen fünf, sechs Leute da und reden durcheinander, mit dem Unterschied, dass man hier nichts versteht. Heraus kam, dass ich mein Hotel schon gesehen hatte, es war 30m weiter, nur hatte es einen neuen Namen (der Reiseführer war Ausgabe 2009). 60 Lira für ein Zimmer an der vom See abgewandten Seite fand ich okay, einen ordentlichen Eindruck machte das Haus auch, WLAN war vorhanden und das Minarett war auch in Sichtweite, also stimmte ich zu.

 

9.5.13   Wochenmarkt in Egirdir

Mir fehlt der Vergleich zu Märkten in anderen, zum Beispiel arabischen Ländern. So wollte ich hier die gute Gelegenheit nutzen, denn heute war Markttag in Egirdir. Das Stadtzentrum war zugeparkt und das Hotel hat die eigenen Parkplätze mit Absperrungen gesichert, denn geparkt wird, wo das Fahrzeug hinpasst. Gerade mal der Platz für den fließenden Verkehr wurde frei gehalten, so nicht jemand schnell aus- oder einsteigen wollte. Zwischen Moschee, Busbahnhof und Stadtverwaltung waren alle verfügbaren Flächen mit Ständen belegt. Selbst die kleinen Straßen waren damit vollgestopft, man fand gerade so einen Weg durch die Leute. Auf dem Markt selbst herrschte emsiges Treiben, bekam man ja alles, was man für den täglichen Bedarf benötigt. Nicht gesehen habe ich Fahrzeugteile. Hier bekommt ihr mal einen Eindruck.

Wochenmarkt in Egirdir

Leute

Am Nachmittag war der Spuk dann zu Ende, nur in den Gassen waren noch einige Stände übrig geblieben. Am Abend sah alles so aus, als wenn nie etwas gewesen wäre. Es gab übrigens auch keinen Restmüll, wie ich es vom Fischmarkt in Hamburg kenne, nicht mal eine Spur davon.

 

 

10.5.13   ein Tag der Pässe

Start bei Km 35409

Für diesen Tag bedarf es erst einmal einer Streckenbeschreibung. Von Egirdir nach Nordosten, rechts am See (Gölü) entlang und um einen Gebirgszug herum, dann in südöstliche Richtung an der Westküste des Beysehir Gölü über Beysehir, Bozkir, Ermerek, Mut bis Silifke sollte mich mein Weg führen. Es waren viele Kilometer und auch abwechslungsreiche. Am Beysehir Gölü musste ich einige Stopps einlegen, die Farbe des Sees, der auf über 1100m Höhe liegt, war Türkis und die Schattenflächen der Wolken machten das Farbspiel noch viel interessanter.

Beysehir Gölü mit seinen Farben

In der Gegend hatte jemand eine Marktlücke für Fahrzeuge gefunden, die mich an die südamerikanisches Tuk Tuk erinnerten.

moderne Fahrzeuge

moderne Fahrzeuge 2

Nach einer weiten Hochebene mit intensiver Landwirtschaft begannen dann die Berge.

Blick vom Pass

Nach dem ersten Pass mit 1890m machte ich in Hadim (1500m) erstmal eine Pause. Man braucht nur in der Stadtmitte anhalten, in eine Seitenstraße gehen und wird für 7 Lira (2,80€) mit einem gutem Essen satt (es muss ja kein Restaurant sein). Dann folgten noch Pässe mit 1850m und 1750m Höhe bevor es an einem oberen Talrand weiter Richtung Emerek und Mut ging. Es war mit ca. 16 Grad recht kühl und ab und zu gab es auch mal einen kleinen Regenschauer. Die Straße war dann wie mit Schmierseife überzogen, das Hinterrad drehte schnell mal durch. Insgesamt machte es keinen Spaß mehr und ich war auch schon ganz schön geschafft. Da mein Navi mal wieder etwas Mitleid mit mir hatte, zeigte es mir in Ermenek (1500m) auch ein Hotel, das musste aber jemand geklaut haben, war jedenfalls nicht an der angezeigten Stelle. Also weitere 84Km bis Mut, da war das nächste angezeigt. Die Straße war häufig feucht und schmierig, hatte kurze und unangenehme Querwellen, die selbst meine Enduro durchrüttelten. Kurz gesagt, es war anstrengend und von der Landschaft bekam ich maximal die Hälfte mit. Vor mirt fiel die Straße steil bergab ins Tal, es wurde wärmer, die Fahrbahn war wieder trocken. Das angezeigte Hotel sollte nördlich liegen, dort befand sich mit dem antiken Alahan auch mein nächster Besichtigungspunkt. Das erste Hotel an der großzügig ausgebauten Straße in Richtung Konya war meins. Der Preis war gut, WLAN vorhanden und nebenan gab es auch etwas zu essen (In den Hotels gibt es maximal Frühstück).

 

11.5.13 kleine Tour nach Alahan

Start bei Km 35929

Mein Navi meinte, ich wäre heute selbst mit der Straßensuche dran. Es sollten ja auch nur maximal 40Km werden. Ich wollte mir die guterhaltenen Ruinen von Alahan ansehen. Nur mit Fotoapparat bewaffnet fuhr ich also los. Es ging bergan und die Straße war von bester Qualität. Nach etwa 10Km passierte ich eine kleine Raststätte, deren Parkplatz voller LKW war: Das wird meine Pause für die Rückfahrt, dachte ich mir. Was nicht kam, war der Abzweig, kein Schild weit und breit. So erklomm ich, bzw. meine Baghira, den nächsten Pass mit 1650m. Die Straße war neu, eventuell hatte man nach deren Fertigstellung das Hinweisschild noch nicht wieder aufgestellt. Es wäre schade, versprach doch mein Reiseführer eine bis auf das Dach fast vollständig erhaltene Kirche. An der kleinen Raststätte dann, oh Freude, sah ich endlich das Hinweisschild. Einer der LKW stand so ungünstig, dass ich es auf der Hinfahrt kaum hätte sehen können. Nun ging es 2Km sehr steil in Serpentinen nach oben, für Busse unmöglich zu befahren. Nachdem ich ein paar Lira Eintrittsgeld bezahlt hatte, stand ich auch schon direkt inmitten der Anlage.

Ruinen von Alahan

Die einzigen „Besucher“, die ich wahrnahm, waren damit beschäftigt, Schutt beiseite zu räumen und die Kirchenmauern zu restaurieren.

Restauratoren bei der Arbeit

Baugerüste standen im Kirchenschiff und an der Außenmauer war mit der Errichtung von Zugängen begonnen worden. Mit ihrem Erhaltungszustand wird dieser Ort mit Sicherheit zu einem Besuchermagnet. Seht selbst.

 

12.5.13 schaffe ich es bis Göreme?

Start bei Km 36004

Nein, ich habe es nicht geschafft. Aber der Reihe nach. Morgens beim Einpacken vermisste ich das Ladegerät für mein Handy, ich durchsuchte alle meine Sachen drei mal, aber es blieb verschwunden. Sch…eibenkleister, ist doch mein Handy mein großer Sicherheitsfaktor: zu Hause anrufen, im Notfall den ADAC um Hilfe bitten, ohne WLAN ins Internet kommen, Telefonnummern, Geld überweisen usw. Auch wenn es noch andere Varianten gibt, das Handy ist und bleibt das wichtigste für mich auf dieser Reise. Da der Akku nur noch halbvoll war, galt es für mich, schnell ein neues Netzteil aufzutreiben, auch wenn gerade Sonntag war. Wenn ich auf meiner Fahrt durch Silifke oder Mersin durchfahre, müsste sich so ein Teil doch auftreiben lassen, bin ich doch nicht der einzige Touri, der ein Netzteil verbummelt. Also sage ich meinem Navi, führe mich durch die Stadtzentren. Die Antwort: „Den Quatsch mach mal alleine, ich mache jetzt auch Urlaub“. Damit verweigert es nun endgültig seinen Dienst, selbst auf die Gefahr hin, entsorgt zu werden. Oder es hat mitbekommen, dass man in Internetforen rausbekommen hat, dass jemand die defekten Bildschirme austauschen kann. Ich will mich mal nicht allzu sehr über meine elektrische/elektronische Ausrüstung auslassen, nicht dass mein Netbook auch noch den Dienst quittiert.

Ich mache mich also mit Landkarten-Kopf-Navi auf die Fahrt in Richtung Küste. An der Straße soll ein Gedenkstein für den alten Barbarossa stehen. In der Nähe meines Geburtsortes befinden sich die Barbarossahöhle und am Kyffhäuserdenkmal ein in Stein gemeißeltes Ebenbild des Alten. Naheliegend ist dann, auch mal zu schauen, wo er ums Leben gekommen ist.

Gedenkstein für Kaiser Barbarossa

Er ist übrigens nicht auf seinem Kreuzzug ermordet worden oder „heldenhaft“ in einer Schlacht gefallen. Er ist beim friedliche Durchzug durch diesen Landstrich im Fluss ertrunken.

Inschrift

An der Küste ist es wieder heiß, das Thermometer klettert auf 30°C und anhalten sollte man mit dem Motorrad möglichst nicht. Für mich geht es runde 90Km die Küstenstraße entlang Richtung Mersin, immer ein Auge auf die Geschäfte am Straßenrand auf der Suche nach einem Netzteil fürs Handy. Die gesamte Küste ist zugenagelt mit Hotels und Wohnsilos, der Verkehr entsprechen dicht. Gefahren wird, wo gerade Platz ist, das kenne ich schon. Endlich in Mersin, mitten im Ampel-Stopp-and-Go sehe ich den ersten offenen Mobilfunkladen. Und was sage ich euch, nach fünf Minuten hatte ich für rund 10€ ein neues Netzteil in der Hand. Der Tag wird besser!

Mein Navi meint es doch noch einmal gut mit mir und zeigt mir den Weg aus dem Stadtgewühl auf die Autobahn (Streicheleinheiten sei Dank) bevor es sich wieder schlafen legte. Auf der Piste dann Schilder, die offensichtlich auf eine Mautstation hinwiesen, Autobahnmaut in der Türkei??? Die Durchfahrtstationen sind unbesetzt, ein Ticket kann man auch nicht ziehen, weit und breit niemand da, den man fragen kann – und keine Schranke. Schauen wir mal was passiert. Als ich passiere, schaut mich eine Kamera (von vorn) an, ein Warnton an der Seite, das wars. Am Ende an der Abfahrt das gleiche Bild. Ich will ja ehrlich sein und bezahlen, nur finde ich keine Gelegenheit dazu.

Auf einer bergigen Nebenstraße führt mich mein Weg nordwärts. Die Strecke steigt und steigt, oben ziehen graue, Wasser versprechende Wolken auf. Es dauert auch nicht mehr lange und es wird nass, die Straßen wieder mal klitschig und die Temperaturen bewegen sich in Richtung des einstelligen Bereiches. Obwohl ich mich schon mit Innenjacke und zusätzlicher Schicht vorbereitet hatte, wird es zunehmend kalt und ungemütlich. Bei der Frage nach schöner Nebenstraße oder Autobahn ist die Antwort schnell gefunden. Bei der Auffahrt die gleiche Situation, kein Personal, keine Schranke und ein Lauter Piepton.

Eine nagelneue Piste verläuft nach Norden. Es rollt gut, wird aber immer kühler und feuchter. Langsam müsste ich mal danken, bei der hiesigen Tankstellendichte kein Problem – dachte ich. Hinter dem nächsten Tankstellenschild war nur eine Baustelle, gut, eben eine weiter. Aber hier wieder nur ein Schild und dann wieder nur eine Baustelle. Dann nehme ich also meine 10 Liter im linken Koffer. Auf sowas bin ich doch vorbereitet. Nachdem die Pumpe einige Zeit gelaufen war, schaltete ich von Reserve auf Normal zurück. Wie das, Vergaser leer, Motor aus – kann nicht sei. Also nochmal Pumpe aktivieren, warten, Benzinhahn umstellen……  Mich ereilte die Einsicht, dass ich kein Benzin mehr hatte, bei mittlerweile 8°C, Dauerregen und mitten in der Türkei auf der Autobahn. Da muss ich (in Kroatien?) mal das Nachfüllen des Zusatztankes verpennt haben. Es ist jetzt 45 Jahre her, dass mir so etwas zum letzten Mal passiert ist. Gut, dass niemand meine Flüche gehört hat. Jetzt ist aber die Situation mal so, was nun tun. Halten wird wohl niemand, die meisten fahren auch Diesel oder LPG, können also auch nicht helfen. Im Augenblick befinde ich mich mitten im Wechsel zwischen AvD und ADAC und besitze noch beide Mitgliedschaften, mal sehen, wie der AvD mir helfen kann. Mit meinem halbleeren Handy rufe ich also den AvD an, erkläre meine Situation und meinen Standort und man verspricht mir Hilfe.

neue Autobahn und "Benzinpanne"

Zwischenzeitlich hat vor mir ein Pickup gehalten, zwei Männer stellen hinter mit ein paar Kegel auf und warten das Ende meines Telefonates ab. Sie sind eine Art Autobahnbetreuung und nach kurzem deutsch-türkischen Hand-und Fußgespräch ziehen beide mit 20 meiner Lira in der Tasche los und holen mir Benzin. Am anderen Ende der AvD-Notrufleitung sehe ich förmlich die großen Augen, als ich von der schnellen Lösung informiere. Es dauert etwa 20 Minuten und ich habe wieder Benzin im Tank. Eine finanzielle Anerkennung lehnen die beiden Helfer fast empört ab, aber bei meinem „tesekkür ederim“ hellen sich ihre Gesichter nochmal zusätzlich auf. Die nächste Tankstelle und das nächst Hotel in Nigde beendeten meinen „schwarzen Tag“.

 

13.5.13  bis Göreme

Start bei Km 36405

Mitten in der Stadt, an einer stark befahrenen Straße hatte ich mein Hotel gefunden, nebenan gab es auch ein ganz gutes Lokal und meine Welt kam langsam wieder in Ordnung.

Blick aus dem Hotel in Nigde

An der Hotelrezeption erfuhr ich dann auch etwas über das türkische Mautsystem. Man kauft bei der Post!, einer bestimmten Bank oder einer Autobahnraststätte ein Art Prepaid-Karte (hgs-Karte), von deren Guthaben während des Durchfahrens der Mautstelle ein streckenabhängiger Betrag abgebucht wird und bekommt eine SMS, wenn das Guthaben aufgebraucht ist, geht also nur mit Postbesuch, Registrierung und Handy. Mal sehen, ob mich bei der Ausreise ein Knöllchen erwartet (25 oder 50 Lira?). Die neue Autobahn, auf der ich meine Benzinpanne hatte, ist für zwei Monate noch gebührenfrei.

Morgens beschloss ich, drei Nächte in Göreme zu bleiben und buchte im Internet ein günstiges Höhlenhotel am Ortsrand vor. Mein Rückstand beim Tagebuch schreiben wird immer größer, näher ansehen wollte ich mir die Sache mit den unterirdischen Städten, Kirchen usw. auch. Außerdem braucht mein Motorrad nach 6000Km frisches Öl und etwas Zuwendung.

Die runden 150Km bis Göreme verliefen dann auch „ohne besondere Vorkommnisse“, gegen Mittag war ich am Hotel.

Straße

die ersten Felsenwohnungen

Als ich am Ortseingang stoppte, um den weiteren Weg herauszusuchen, stand plötzlich eine BMW mit zwei Niedersachsen neben mir, die beiden Männer waren auch auf eigenen Räder bis hierher gefahren. Interessanter war die nächste Maschine mit einem schweizer Pärchen. Bis zum Jahresende wollen sie zuerst nach Indien und von dort aus über die Mongolei wieder nach Hause – ich mache nur ’ne kleine Stadtrundfahrt!

 

14./15.5.13   Göreme

Im Hotel angekommen, musste ich feststellen, dass meine Buchung sich noch nicht bis zum Hotel herumgesprochen hatte und so genoss ich von der Frühstücksterrasse aus den Blick über den Ort bis das Zimmer bezugsfertig war.

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Mein Zimmer befand sich komplett im Fels, zum Eingang ging es ein paar Stufen nach unten und im hinteren Bereich gab es nur ein kleines Fenster für etwas Tageslicht.

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Das Bad war ausgesprochen geräumig und nur mit einem Abzugsrohr versehen.

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Diese Art zu wohnen ist zwar originell, aber auch unpraktisch. Es ist immer feucht und kalt, nachts wird geheizt und die Sachen werden klamm.

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Im Hochsommer mag es vielleicht anders sein und ich war eigentlich froh, als der Chef nach zwei Nächten fragte, ob ich nicht in ein anderes Zimmer umziehen könne, meines wäre die Luxussuite, die ich aus Zeitknappheit bekommen hätte und er bräuchte sie jetzt. Das neue Zimmer war zwar kleiner, ebenso das Bad. Aber es war nicht im Fels und somit trocken, wärmer und heller. Ich war mit dem Tausch jedenfalls zufrieden.

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Neugier und Hunger trieben mich in den Ort. Das Zentrum besteht praktisch nur aus Geschäften und Lokalen, wenn es mal keines von beiden war, dann war es ein Hotel. Alles was ein Tourist braucht, ist im Überfluss vorhanden. Die Lokale waren auch touristenhochburgtypisch, die Portionen relativ klein, dafür die Preise relativ hoch. Nach dem Essen und einem Rundgang zog es mich abends an den Rechner, warteten einige schon sehnsüchtig auf die nächsten Berichte und Bilder. Außerdem war Holger schon bienenfleißig gewesen und hatte für mich den neuen Internetauftritt vorbereitet und meine bisherigen Berichte eingestellt, herzlichen Dank dafür! Plötzlich hatte ich richtig Arbeit, die Erlebnisse der letzten Tage aufschreiben, Bilder auswählen und verkleinern und alles mit völlig neuer Bedienoberfläche ins Internet bringen. Letztendlich saß ich zwei von zweieinhalb Tagen vor meiner Rechenkiste und mir brummte der Schädel. Manchmal muss man die Prioritäten eben auch mal ändern. So hatte ich jetzt eine schöne neue Homepage, war fast tagesaktuell, dafür gab es weniger Besichtigungen. Als ich dann soweit fertig war und losgehen wollte sah es draußen so aus.

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Für einen schönen Aussichtspunkt hoch über dem Ort hat es dennoch gereicht. Dabei bin ich durch die vorletzten Winkel von Göreme gezogen und musste feststellen, dass in jeder noch so kleinen Ecke Hotels oder andere Unterkünfte aus dem Boden, oder besser in den Fels gestampft werden.

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Wie schon an vielen anderen Orten vorher, bestätigte sich für mich hier auch, die Türkei baut mit viel Energie an weiteren touristischen Attraktionen und hat erkannt, welches Potential dafür in ihrem Land vorhanden ist. Und sie hat auch gelernt, mit den antiken Hinterlassenschaften sorgfältiger umzugehen.

 

16.5.13   über Kayseri weiter nach Osten

Start bei Km 36542

Das nächste große Ziel meiner Reise ist der Nemrut Dagi und seine Umgebung weiter im Osten. Quasi auf dem Weg liegen noch zwei alte Karawansereien hinter Kayseri. Aber zuerst ist notwendige Wartung für Pegasus angesagt. Sein Motor ist eine unverwüstliche Maschine aus der XT-Serie von Yamaha. Auch ein unverwüstlicher Motor braucht mal neues Öl, damit er seine Unverwüstlichkeit behält. Im Internet fand ich einen Yamaha-Händler in Kayseri, der, wenn etwas mehr sein sollte, auch noch weiter weiß. Aber das passende Öl und einen Ölfilter sollte er zumindest haben. Auch hatte ich nicht die Absicht, einen Ölwechsel allein zu machen und wollte auf keinen Fall das Altöl im geschichtsträchtigen türkischen Boden versickern lassen. Mitten in der Stadt in einer kleinen Nebenstraße voller „Schrauber“-Läden fand ich den Händler mit nur einem mal fragen, und das ohne Navi. Mit dem Google-Übersetzer konnten wir uns ganz gut verständigen. Nur einmal wäre ich arg beleidigt gewesen, aber da hat das Programm etwas missverstanden und mir gesagt, ich wäre fett! Der Händler war wirklich nur Händler und hatte keine Möglichkeit zum Schrauben. Aber er kennt jemanden, der….. und schickt mich 20m weiter zu einer Werkstatt für andere Fabrikate. Ohne den Google-Übersetzer war es jetzt schwieriger, ich erzählte jemandem am anderen Ende einer Telefonleitung auf englisch, was ich wollte und dieser das wiederum dann dem Werkstattmann. Bei einem Tee sah ich die anderen Patienten in dem wirklich überschaubar kleinen Werkstattraum und staunte nicht schlecht über das Sortiment, Doppel-XX, große Varadero usw. Pegasus wurde vor dem Werkstatteingang aufgebockt (er hätte mit Koffern nicht durch die Tür gepasst) und los ging es. Beim Anblick der eingesetzten Werkzeuge hätte ich neidisch werden können, wirklich nur vom Feinsten eines renommierten deutschen Werkstattausstatters, ebenso das Öl. So gut hat es mein Pegasus bei mir zu Hause nicht. Nur mit einem aus meinem Koffer hervorgezauberten neuen Ölfilter konnte ich noch ein kurzes Hochziehen der Augenbrauen erwirken. Nach einer reichliche halben Stunde hatte der Motor neues Öl, die Kette war gepflegt, das Kühlwasser kontrolliert und alles wieder blitzsauber. In der Zwischenzeit war auf der anderen Straßenseite eine große BMW mit vorbildlich gekleidetem Fahrer vorgefahren, ein „niedersächsischer Türke“, der jetzt hier lebt. Damit gab es plötzlich völlig neue Verständigungsmöglichkeiten und meine Maschine wurde rundherum ausgewertet. So erfuhr ich auch, dass ich beim besten Fachmann der Stadt gelandet war, der z.B. auch die Polizeimaschinen in Pflege hat. So kann es auch laufen, wenn jemand jemanden kennt… In nur zwei Stunden und für 160 TL war meine Maschine für die kommenden Strecken bestens gerüstet und ich kann wieder ruhiger schlafen. Der Weg aus der Stadt heraus war einfach, führte er immer an der einzigen Straßenbahnlinien entlang, auf der moderne Züge fuhren.

Die beiden alten Karawansereien die ich jetzt besuchte, fristen ein touristisches Schattendasein. Äußerlich in einem guten Zustand, scheinen sie für die Tourismusbranche uninteressant zu sein. Beide waren verschlossen und an den Toren hingen Zettel mit Telefonnummer, wo man den Schlüssel bekommt. Wie sollte ich mit meinen Türkischkenntnissen da weiterkommen…  Schade!

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Weiter ging es nun in östliche Richtung. Die Straße war gut, es ging leicht bergan und kurze Regenschauer bei Temperaturen zwischen 14 und 18°C störten nicht wirklich. Gut für mich war, dass ich am Morgen wieder auf Komplettausstattung bei der Motorradbekleidung umgestellt hatte. Die 30°C-Zeiten sind offenbar vorüber und nachts werden die Temperaturen wieder einstellig werden. Gegen 17 Uhr beschloss ich dann, das nächste Hotel an der Straße anzusteuern, was auch nicht lange auf sich warten ließ. Für 35 TL gab es ein Einzelzimmer mit Duschzelle und Hockklosett auf dem Flur – irgendwann ist immer das erste mal…

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17.5.13  von Pinarbasi zum Nemrut

Start bei Km 36776

Nach dem Frühstück (extra im angeschlossenen Restaurant) sollte mich mein Weg über Malatya, direkt über Adiyaman zum Göttersitz Nemrut bringen. Es ging langsam und stetig bergan. Die Steigung konnte man nur an der abgeforderten Motorleistung erahnen, es gab keine optischen Bezugspunkte. Nur sehr vereinzelte Strommasten oder eventuell ein Verkehrszeichen konnten den Neigungswinkel der Straße etwas sichtbar machen.

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Die Gegend war eben und leer, ab und zu waren Schafherden oder ein paar Zelte auszumachen. Überraschend war, dass ein angenehmer Duft in meine Nase stieg. Ich hatte keine Ahnung was da blühte, aber es roch wirklich gut. Nach einem 1900m-Pass kam wieder etwas Abwechslung in die Umgebung. Auch tauchte bald wieder mal eine Tankstelle auf, der Abstand zu letzten war zu groß für meine Tankreserve, ich musste den Zusatztank, der diesmal wirklich gefüllt war, wieder zum Einsatz bringen.

Einige Kilometer südlich von Malatya fragte ich nach dem weiteren Weg, weil die richtige Ausfahrt aus dem zentralen Platz nicht zu erkennen war. Es war wieder der Effekt, acht Leute, zehn Meinungen und viel Palaver. Diesmal aber am Ende mit der Empfehlung, eine Straße zu fahren, die nicht einmal in meiner Karte zu finden ist, meine Karte wäre alt und die eingezeichnete Straße in einem sehr schlechten Zustand. Meine Landkartenempfehlung hätte rund 100Km zusätzlich bedeutet, also die nicht eingezeichnete Strecke. Sie war wirklich fast neu und es ging kurvig und steil bergauf – Fahrspaß pur. Nach einer Baustelle mit Schottereinlage folgte die alte Straßenführung – immer noch Fahrspaß.

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Die Ausschilderung änderte sich von „Nemrut- Naturschutzgebiet“ in „Nemrut“, was immer das bedeuten mag. Dann stieg die Straße wirklich steil an, war in gutem Zustand, aber mit grobem Kies übersät, oben gab es dann ein Hotel – mitten im Nichts – und die Schranke zur Bergzufahrt mit Kassenhäuschen. Für neun Lira bekam ich die Auskunft, dass es keinen befahrbaren Weg über den Berg zur anderen Seite gibt und das Ticket für den Berg. Es folge noch eine Herausforderung für Maschine und Fahrer, dann war wirklich Schluss. Mit 200m Fußweg zum Gipfel hatte ich den wesentlich kürzeren Fußweg gefunden, aber… es gab wirklich keinen Weg über den Berg, selbst mit einer reinrassigen Trialmaschine wäre es eine richtig Herausforderung geworden.

Ich war jedenfalls oben auf dem Nemrut Dagi und bewunderte die Leistung der Menschen, die diese Figuren geschaffen hatten und sie hier aufstellten. Die gesamte Bergspitze ist übrigens der weltweit größte künstlich aufgeschütteter Grabhügel und wurde vor rund 2000 Jahren angelegt.

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Ich hatte jetzt noch etwa zwei Stunden Tageslicht und keinen Plan für die weitere Streckenführung oder eine Übernachtung. Einer der Wächter meinte, ich müsse zurück und kurz hinter dem nächsten Dorf gäbe es einen Abzweig nach Kahta, nicht sehr gut, aber befahrbar. Das für mich positive an der Empfehlung schien mir, dass ihn offenbar dieser Weg zu seinem Zuhause führt.

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Ich hatte schon wesentlich schlechtere Strecken unter den Rädern, nach knapp zwei Stunden checkte ich in einem kleinen Hotel in Kahta ein.

Auch ohne Navi, genaue Karten und mit Durchfragen wird so eine Reise abwechslungsreich. Und praktisch ohne Türkischkenntnisse bekommt man auch immer Hilfe und findet (s)einen Weg. Es war ein Tag mit Überraschungen, für mich aber ein schöner Tag.

 

 

18.5.13    über den Euphrat nach Diyarbakir

Start bei Km 37184

Highlight der heutigen Strecke ist zweifelsohne die Überquerung des Atatürk-Stausees, der den Euphrat für Wasser- und Stromversorgung aufstaut. Man ist dabei, eine Brücke zu bauen und damit die Fähren überflüssig zu machen. Auch hierbei wird, wie ich schon häufiger bei türkischen Straßenbauprojekten beobachten konnte, geklotzt und nicht gekleckert. Wer also die Fähre noch erleben möchte, sollte sich beeilen. In zwei oder drei Jahren wird es sie wohl nicht mehr geben.

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Über die Stad Diyarkabir könnte man einen eigenen Reisebericht schreiben. Sie ist die „heimliche Hauptstadt der Kurden“, besitzt eine monumentale Stadtbefestigungsanlage, darin eine sehr sehenswerte historische Altstadt mit restaurierten Kirchen, alten Moscheen, einer zum Kaffeehaus ausgebauten Karawanserei und ein Gassengewirr, für das es wohl keine Pläne gibt.

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In der Nachbarschaft meines Hotel wurde gerade die Neueröffnung eines Restaurants gefeiert. Alle Gäste des Tages wurden kostenlos bewirtet. Hier ein Bild aus dem Eingangsbereiches.

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Von den alten Vorurteilen, die Stadt wäre gefährlich, ist nicht viel übrig geblieben. Eine Armeekaserne außerhalb der Stadt ähnelt sicher einer kleinen Festung, vor dem Polizeigebäude stehen zwei kleine gepanzerte Autos und abends sieht man auch mal eine Militärstreife. Dagegen sitzt die Motorradstreife der Polizei auf der Straße und trinkt Tee. Ein Händler riet mir auch, auf mein Geld aufzupassen, dem werden wohl eher die Teppichhändler gefährlich. Fakt ist, ich bin in den fast hintersten Ecken gewesen, allein wohlgemerkt und ich sitze jetzt wohlbehalten hier und schreibe an meiner Seite. Klar ist auch, ich bin aufgefallen, aber Bedenken brauchte ich keine haben. Auf den Hauptstraßen sitzen einige Bettler und auch Kinder halten schon einmal die Hand auf – das gibt es zu Hause doch auch. Türkische Touristen sehen sich schon recht zahlreich die Altstadt an, Ausländer sind da noch wenige. Das sollte sich aber bald ändern. Diyarbakir ist auf jeden Fall eine Reise wert.

 

21.5.13   zum Van-See

Start bei Km 37366

Bis zum Van Gölü ist es nicht sehr weit und an der Strecke gab es höchstens die Alman Hani zu besichtigen.

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Es ging bergauf und die Temperaturen gingen von hochsommerlichen 30 Grad auf erfrischende 16 Grad zurück. Dabei veränderte sich die Landschaft von wellig über hügelig bis zu bergig. Der Höhenunterschied zwischen Diyarkabir und dem Van-See beträgt runde 1000 Meter. Der See liegt auf 1646m und ist der größte in der gesamten Türkei (sieben mal größer als der Bodensee). Durch seinen hohen Sodagehalt fühlt sich das Wasser seifig an. Als Ausgangspunkt für meine näheren Ziele hatte sich Tatvan am südöstlichen Seeende angeboten. Hotels waren an der Hauptstraße leicht zu finden und auch sauber und bezahlbar. Bis zur Uferpromenade, die ich übrigens garnicht so trostlos finde wie im Reiseführer beschrieben, waren es nur runde 500 Meter und ich ließ den Tag mit einem Spaziergang und einem Tee am Van-See ausklingen.

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Übrigens, auch bei der Alman Hani traf ich die gleiche Situation wie einige Male vorher an, sie war verschlossen und nicht einmal eine Telefonnummer war zu finden. Irgendwie hatte ich das auch so erwartet.

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22.5.13  eine Rundfahrt am Van-See

Start bei Km 37614

Bevor ich starten konnte gab es noch eine kleine Episode am Rande. Mein Motorrad war zugeparkt und in der Wartezeit konnte ich beobachten, wie eine Frau mit einer Gruppe Männer eine Art Arbeitsabstimmung durchführte. Sie wirkte souverän und sehr sebstbewußt, war „mitteleuropäisch“ gekleidet uns schien den Männern die Marschrichtung klarzumachen, ein für die Türkei vollig untypisches Bild. Einem der Männer ging irgendwas über die Hutschnur, ich konnte ja nichts verstehen. Er bekam einen echten Wutanfall und begann die Frau zu beschimpfen. Diese verschand augenblicklich mit zwei der anderen im Hotel, wärend sich der Rest der Truppe genötigt sah, den wütenden wieder zu beruhigen. Dieser setzte sich auch in eines der Autos, schimpfte noch eine kurze Weile vor sich hin und kam recht schnell wieder runter. Ich meine, dass er dies auch wirklich wollte.  Nach ca. zehn Minuten kamen die drei wieder aus dem Hotel und alles wirkte auf mich wie normal. Türkische Frauen können eben auch echt stark sein, Respekt!

Ohne die Rolle mit dem Campingkram auf dem Motorrad machte ich mich auf den Weg. Mein erstes Ziel war der kleine Nemrut mit seinen Seen im Vulkankrater. Die Straße war schon von der Stadt aus zu sehen, ebenso der Sessellift für die Skifahrer im Winter. Über Serpentinen ging es nach oben. Im oberen Bereich ist man dabei, die Straße neu zu bauen und ich bekam wieder Schotter, Baustraße und Sand unter die Räder. Auch mit normalen Pkw kam man da auch noch problemlos durch. Vom Pass (2550m) hat man einen wunderbaren Blick auf Tatvan, den See und besonders den Krater des seit 1441? als erloschen geltenden Vulkans. Welch ein imposanter Ausblick.

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Trotz Baustelle war ich nicht der einzige Besucher hier oben, mehrere Autos kamen und fuhren. An einer Schautafel waren die Wege innerhalb des Kraters dargestellt. Von einem improvisierten Imbiss und einer Zeltmöglichkeit hatte ich schon gelesen, bis dahin wollte ich kommen. An einer Baggerschaufel stand, wie ganz selbstverständlich, eine ausgewachsene Kalaschnikow. Bei meiner Frage, ob ich sie (ohne Besitzer natürlich) fotografieren dürfte, verschwand sie im Kofferraum eines Autos. Übel genommen hat man mir die Frage jedoch nicht. Bis zum hintersten Kraterende konnte man eine Runde fahren und somit bestand die Möglichkeit mehr zu sehen. Die Wege im Krater waren alle unbefestigt, aber recht gut befahrbar. An einem kleineren See entlang führte der Weg zu einem weiteren kleinen See, der auch von Heißwasserquellen gespeist wird. Am hinteren Ende fand ich dann auch besagten Imbiss. Der Begriff Imbiss ist aber türkeitypisch etwas optimistisch auszulegen. Auf jeden Fall befindet er sich in allerbester Lage.

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Hinter einem kleinen Hügel gelangt man noch an das Ende des größeren Sees, wo es in der Zwischenzeit einen weiteren Imbiss gibt. Kleinster gemeinsamer Sprachnenner war hier am Arm der Welt übrigens nicht Englisch, Deutsch oder ähnliches, sondern Russisch! Damit hatte ich nun wirklich überhaupt nicht gerechnet und – obwohl ich 10 (im Worten: zehn) Jahre Russischunterricht absolvieren durfte) – konnte diese Sprache somit auch nicht aus meinem Langzeitgedächtnis heraus aktivieren. Das ging überhaupt nicht.

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Die Seen liegen übrigens auf 2240m Höhe und man hat Höhensonne satt. Wer in diese Region kommt und sich den kleinen Nemrut mit Nemrut Gölü entgehen lässt, hat die schönste Ecke dieser Gegend nicht gesehen.

Für mich gab es noch weitere interessante Anlaufpunkte und so führte mich mein Weg südlich am See entlang in Richtung Van. Direkt am Wasser und gegenüber der Insel Akdamar mit der armenischen Heiligkreuzkirche wurde für mich der Grill angeworfen. Nach einer Überfahrt, um diese sicher interessante Kirche zu besichtigen, war mir nicht, hatte ich ja auch noch weitere Ziele.

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Zum einen waren da noch zwei Ruinen und ein Pass mit 2985m Höhe. Die erste Burgruinen Cavustepe bestand nur aus Grundmauern und ich fand sie nicht so berauschend.

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So ersparte ich mir die zweite namens Hosap Kalesi und fuhr in Richtung des Passes Karabel Gecidi. Über eine gut ausgebaute Straße gelangte ich ins Landesinnere. Der Schneeanteil links und rechts der Straße nahm stetig zu und in Passnähe waren die Straßenbaumaschinen noch tief im Schnee versteckt.

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Im nächsten Ort hinter dem Pass war die Straßenführung nicht eindeutig zu erkennen, meine Karte war keine wirkliche Hilfe – und so fragte ich nach dem Weg. Ich wurde zielgerichtet tatsächlich in die falsche Richtung geschickt. Am Ortsende fragte ich eine Gruppe Leute. Nach einer halben Stunde mit Blödeleien und unglaubwürdigen Vorschlägen (ich möchte heute noch wissen, was der eine geraucht hatte), kam dann eine brauchbare Empfehlung, ich solle immer die Hauptstraße entlang fahren, nicht links oder rechts abbiegen und so würde ich nach Hizan, der nächsten Stadt gelangen. Meine Karte konnte wieder mal in die Tonne…., nicht eingezeichnete Straßen waren die Hauptstraßen und eingezeichnete nicht befahrbar oder nicht vorhanden. Da ich nicht nachts fahren wollte, mussten die 50 Pferde meines Motors ordentlich arbeiten, wollte ich noch soweit wie möglich bei Tageslicht kommen. Es ging auf schlechten Straßen noch über zwei weitere Pässe.

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Aller 15 bis 20Km gab es ein Schild, dass mir meine Richtung bestätigte (war auch bitter nötig) und kurz vor Hizan musste ich dann mit Licht fahren. Die Straße war schon wesentlich besser, so war es auch nicht mehr so riskant. Ab Hizan waren Ausschilderung und Straße noch etwas besser und ich konnte mich an einen PKW hängen, der offensichtlich die Strecke kannte und auch mit passender Geschwindigkeit fuhr. Unter Ausnutzung meines Zusatztanks kam ich dann gegen 20Uhr an meinem Hotel an. Ich hatte mich mit den Fahrzeiten diesmal völlig verschätzt und mein Navi hätte mir sicher auch bei dieser Streckenführung kaum helfen können. Ich habe diese Nacht jedenfalls tief und fest geschlafen.

 

 

23.5.13 weiter nach Norden

Start bei Km 38025

Einige für mich wichtige Ziele befanden sich weiter im Norden. Östlich am Van-See entlang verlief eine gut ausgebaute Straße in Richtung Dogubayazit. Ausgeschildert war auch der Iran und entsprechend viele Lastzüge waren unterwegs. Viele der entgegenkommenden Brummifahrer grüßen mich. Sie dachten wohl, dass ich noch weiter nach Osten will.

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Gleich zu Beginn der heutigen Tour gab es ein riesiges Gräberfeld zu sehen. Auf dem „Selcuklu Mezarligi“ stehen oder liegen tausende von Grabstelen, die ältesten sollen aus dem 12. Jh. stammen.

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Als Pausenpunkt bot sich ein Wasserfall etwas nördlich des Sees an, der auch von vielen türkischen Familien als Picknickziel genutzt wird, nicht spektakulär, aber leicht erreichbar und schön anzusehen.

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Knapp 100Km weiter und nur ca. 100m unterhalb des Ishak-Pascha-Palastes befindet sich Murat-Camping. Dieser Platz verfügt neben einem herrlichen Ausblick über die Ebene auch über einfache Zimmer. Hier wollte ich mich für zwei Tage einquartieren.

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Von Sauberkeit und Hygiene ziemlich weit entfernt, ohne Warmwasser und runtergewirtschaftet war der Zimmerpreis von 50 Lira schon heftig. Für das letzte Hotelzimmer hatte ich nur 10 Lira mehr gezahlt. Dafür hatte ich diesen Ausblick für zwei warme Sommerabende auf der Terrasse und diesmal keine Muezzin.

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24.5.13    Ishaak Pasa Sarayi  und  Meteor Cukuru  (Ishak-Pascha-Palast und Meteorkrater)

Start bei Km 38310

Der heutige Tag sollte nur den Besichtigungen vorbehalten bleiben und bevor es mittags richtig warm wird, sollte das Motorrad wieder an seinem Platz stehen. Aber zuerst galt es, die beiden Motorradfahrer aus dem Schwarzwald zu verabschieden, die gestern am Abend noch ankamen und bei mir noch anklopften. Sie waren auf dem Rückweg aus Georgien und Armenien und wollten weiter in Richtung Westen. Diese Reise in nur drei Wochen erfordert trotz Fährenabkürzug schon einige Disziplin, um pünktlich zum Urlaubsende wieder zu Hause zu sein – wie gut, dass ich Zeit habe.

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Laut Landkarte sollte es einen Weg über den Berg in Richtung der iranischen Grenze geben, den ich wieder mal nicht fand. Der Umweg durch die Stadt und um den Berg herum beträgt etwa 35Km. Unmittelbar vor der Grenzstation links abbiegen, dann gelangt man zum Moteorkrater. Zuvor galt es noch an einer doppelreihigen, kilometerlangen LKW-Schlange auf der Gegenfahrspur entlangzufahren. Ich möchte nicht wissen, wie lange diese Leute für den Grenzübertritt in den Iran warten müssen, es war offenbar ausreichend Zeit für Reparaturen, zum Kochen und Schlafen.

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Nur wenige LKW-Längen vor dem Grenztor ging tatsächlich die angekündigte Straße nach links ab. Wenig später durfte ich an einer Militärkontrolle meinen Pass hinterlegen, den ich bei der Rückkehr dann wieder bekam. Der Krater selbst erwies sich als relativ unspektakuläres senkrechtes Loch.

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Wesentlich interessanter war dagegen die Begegnung mit Maria, einer Schweizerin, die seit dem 3.3.2013 mit dem Fahrrad unterwegs nach Nepal ist! Ihr Visum für den Iran galt erst ab 4.6. und so hatte sie noch Zeit, sich hier umzusehen. Allein mit dem Fahrrad von der Schweiz über Iran, die ehemals südlichen Sowjetrepubliken bis Nepal – meine Hochachtung!! Wie war das gleich mit meiner Stadtrundfahrt????  Ich drücke ihr jedenfalls beide Daumen, dass sie gut ankommt.

Nachmittags traf ich sie dann im Ishak-Pascha-Palast wieder.

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Ihre Führer kannten auch den Weg über den Berg, den ich vormittags nicht gefunden hatte.

Der Palast selbst ist gut restauriert und in großen Bereichen mit Dächern vor den Umwelteinflüssen geschützt. Wer mehr wissen möchte, kann
hier lesen. Abschreiben finde ich doof.

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25.5.13     nach Ani

Start bei Km 38397

Der heutige Tag soll mich zu meinem letzten großen Reiseziel hier im Osten der Türkei führen. Anfangs zeigt mir der Ararat, mit seinen 5231m höchster Berg der Türkei, noch seinen Gipfel, der normalerweise immer in den Wolken versteckt ist, um dann langsam im Rückspiegel kleiner zu werden.

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Der Araratgipfel mal nicht in den Wolken versteckt

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Auch etwas Farbe kommt mal in die Landschaft.

Wenig später ist in größerer Entfernung die erste armenische Kirche zu sehen.

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Bis Ani ist es aber noch ein Stück Weg, da ich den in der Karte eingezeichneten Abkürzungen heute nicht traue. Also fahre ich erst bis Kars und anschließend 43Km fast parallel wieder zurück bis Ani. An einem Dorfende steht man plötzlich vor einer riesigen Stadtmauer.

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Ani war ab dem Jahr 961 Hauptstadt des armenischen Reiches und in ihr sollen bis zu 100.000 Einwohner gelebt haben. Man spricht auch von bis zu 1000 Kirchen. Im Jahre 1319 zerstörte ein Erdbeben das, was die Mongolen 1250 übrig gelassen hatten. Der Darstellung bei
Wikipedia muss ich insofern widersprechen, als dass heute das Gelände sauber ist, Wege angelegt und zahlreiche Hinweistafeln aufgestellt worden sind. Auch wird an der Erhaltung der verbliebenen Bausubstanz gearbeitet. Die Zufahrtsstraße ab Kars ist soweit in Ordnung und es gibt einen regen Besucherverkehr.

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Die Reste der Erlöserkirche.

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Die Gregorkirche des Tigran Honentz.

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Links vom Fluss ist Armenien.

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Die Kathedrale (Fethiye Camil)

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Hier kann man erahnen, welche Ausmaße die Stadt hatte.

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Auf der Rückfahrt nach Kars erwischte mich noch ein heftiges Gewitter und ich fand Unterschlupf an einer Tankstelle. Nach zwei Tee und einer halben Stunde war der Spuk zu Ende und ich konnte meine Fahrt fortsetzten.

 

weiter in der Türkei wieder nach Westen

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